Im Sommer sieht man sie

Jeden Sommer dasselbe. Die Haut wird dunkler, und plötzlich fallen Stellen auf, die im Winter kaum jemand bemerkt. Weisse Flecken, die nicht mitbräunen. Altersflecken, die dunkler werden als alles rundherum. Am Unterarm, im Dekolleté, im Nacken.

Und jeden Sommer werde ich gefragt, ob man da etwas machen kann.

Ja, kann man. Und diesmal habe ich es an mir selbst machen lassen.

Pele Brunner am Tisch im Studio, neben dem eigenen Unterarm ein Tuch mit gemischten Hautfarben

Das Gleiche gilt übrigens für Narben. Eine Operationsnarbe, die nach Jahren immer noch als heller Strich dasteht. Eine alte Verletzung, die farblich nie mehr mitgemacht hat. Das ist dieselbe Arbeit wie bei den Flecken, nur an einer anderen Stelle.

Die meisten sagen «Narbe tätowieren» dazu. Ich finde, das trifft es besser als das Fachwort, auch wenn ich es auf meiner Website jahrelang medizinische Pigmentierung genannt habe. Gemeint ist dasselbe.

Das ist mein eigener Arm auf den Bildern. Tätowiert hat Gisela Rotach von beautix.ch, die bei mir in der Ausbildung ist. Ihr Fach ist die Kosmetik, und das macht sie richtig gut. Das hier lernt sie gerade, und meinen eigenen Arm gebe ich dafür nicht jedem her.

Ich sitze also zur Abwechslung auf der anderen Seite. Am Schmerz liegt das nicht, ich bin selber gut zutätowiert und weiss, wie sich das anfühlt. Aber wenn es der eigene Arm ist und du zuschaust statt zu arbeiten, dann schaust du anders hin.

Die Farbe ist die eigentliche Arbeit

Es gibt keine Hautfarbe. Nicht als Farbe, meine ich. Was von weitem aussieht wie ein einziger Ton, ist ein Gemisch aus mehreren, und es verändert sich am selben Arm von oben nach unten. Innenseite anders als Aussenseite. Handgelenk anders als Ellbogen.

Pigmentset und Farbkarte mit Hauttönen, daneben der Unterarm und Farbproben auf einem Tuch

Was du da siehst, ist kein Katalog, aus dem ich etwas aussuche. Das ist das Suchen selbst. Ich mische, streiche die Mischung aufs Tuch, lege das Tuch neben die Haut und schaue. Dann mische ich nach und schaue nochmals. Eine Farbe, die unter der Lampe stimmt und beim Schritt ans Fenster, ins echte Tageslicht, nicht mehr, taugt nichts.

Das dauert oft länger als das Tätowieren danach. Für mich ist es der Teil, an dem sich das Ergebnis entscheidet, und der Teil, den man auf keinem Vorher-Nachher-Bild sieht. Über Farben allein könnte ich ein halbes Buch schreiben, und ich lasse es hier bei dem einen Bild.

Das Tätowieren selbst ist dann fast unspektakulär. Ich gleiche die helle Stelle farblich an die Haut daneben an, mit denselben Nadeln wie sonst, nur feiner und viel zurückhaltender.

Zwei Termine auf einem Bild

Unterarm mit weissen Flecken, eingekreist die Stellen vom letzten Termin, daneben frisch in Hautfarbe tätowierte

Hier sind zwei Zeitpunkte gleichzeitig zu sehen. Die eingekreisten Stellen sind vom letzten Mal, die Kreise habe ich gezogen, damit du siehst, wo. Die geröteten sind von heute. Die Rötung gehört dazu und geht weg.

Und die Farbe ist sehr gut geworden. Wenn sie sich noch legt, wird es sogar noch besser.

Das braucht allerdings Zeit, mehr als die meisten denken. In den ersten vier Monaten legt sich rund 80 Prozent des Pigments, und der ganze Prozess dauert etwa vier bis achtzehn Monate. Erst danach weiss man wirklich, was die Farbe macht. Ein Bild vom abgeheilten Arm zeige ich dir in ein paar Wochen, das endgültige also noch lange nicht. Alles andere wäre unehrlich.

Woran es sich entscheidet

Nicht jeder weisse Fleck ist derselbe. Manche kommen von der Sonne, manche von einer alten Verletzung, manche von einer Hauterkrankung. Bei Vitiligo kann sich das Bild über die Zeit verändern, und da arbeite ich nicht, bevor das ärztlich angeschaut wurde.

Was es braucht:

  • die Stelle muss ruhig sein und nicht in Veränderung
  • die Haut ringsum gesund
  • und du musst wissen, dass es unauffälliger wird, nicht unsichtbar

Bei Narben kommt dazu, dass sie mindestens sechs Monate alt sein müssen und gut bis sehr gut abgeheilt. Eine Narbe, die noch arbeitet, wird nicht tätowiert. Da sage ich dir lieber, du sollst wiederkommen, als dass wir etwas machen, das in einem Jahr anders aussieht.

Bei Altersflecken ist es umgekehrt: dort ist die Stelle dunkler als der Rest. Auch da lässt sich der Kontrast beruhigen, aber es ist die kniffligere Arbeit, und ich sage dir vorher, wenn ich es nicht für sinnvoll halte.

Die eine Sache, die nicht verhandelbar ist

Die pigmentierte Stelle bräunt nicht mit. Wer im Sommer Sonne holt, bei dem wird die Haut daneben dunkler, und der Unterschied kommt zurück. Faktor 50, konsequent, dauerhaft. Wer das nicht will, lässt es besser bleiben.

Und damit du es richtig einordnest: Was da passiert, ist wenig. Es ist kein neues Stück Haut und keine Zauberei. Aber es fällt danach viel weniger auf, einfach weil die Stelle nicht mehr weiss ist. Genau das ist der Punkt.

Ob es bei dir geht

Schick mir ein Foto von der Stelle. Anonym, unverbindlich. Ich schaue es an und sage dir ehrlich, ob es geht.

Vielleicht mache ich die anderen Stellen an meinem Arm auch noch. Mal schauen.

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Pele Brunner Tattoo-Künstler & Spezialist für medizinische Pigmentierung
Pele Brunner ist Tattoo-Künstler und Spezialist für medizinische Pigmentierung in St. Gallen, Schweiz. Privatstudio mit über 33 Jahren Erfahrung. Schwerpunkte: Cover-up Tattoos, japanische Tätowierungen, Narben- und Areola-Pigmentierung. Termine ausschliesslich nach Vereinbarung.