Wenn eine Frau nach Operation, Bestrahlung und allem, was dazugehört, bei mir sitzt, ist sie meistens müde. Nicht von der Fahrt nach St. Gallen, sondern von den letzten Monaten. Und sie hat fast immer denselben Satz dabei, in der einen oder anderen Form: Ich möchte einfach, dass es fertig ist.
Das ist der Punkt, an dem ich ins Spiel komme. Nicht als Behandlung, sondern als letzter Schritt.
Was ich mache
Ich pigmentiere den Brustwarzenhof, die Areola. Farblich, nicht chirurgisch. Das heisst: Ich bringe Farbe in die Haut, so wie beim Tätowieren, nur feiner und viel zurückhaltender. Wenn eine Seite noch vorhanden ist, gleiche ich an sie an. Wenn nach einer Mastektomie keine mehr da ist, bauen wir sie gemeinsam auf, nach deinem Empfinden und nicht nach einer Schablone.
Dazu kommt etwas, das die Leute oft überrascht: Mit Schatten und hellen Stellen lässt sich eine Wölbung andeuten, die gar nicht da ist. Das Auge fällt darauf herein, die Brustwarze wirkt dreidimensional. Es ist eine optische Täuschung, und genau so nenne ich sie auch.
Es geht übrigens nicht nur um Krebs. Auch nach einer Brustverkleinerung oder Brustvergrösserung sitzt der Brustwarzenhof manchmal anders da als vorher, ungleich in Grösse oder Farbe. Und Narben an der Brust lassen sich ebenfalls farblich beruhigen. Das ist dieselbe Arbeit.
Und es sind nicht nur Frauen. Männer kommen aus anderen Gründen, aber sie kommen, und melden darfst du dich genauso.
Die Farbe ist die eigentliche Arbeit
Es gibt keine fertige Farbe für so etwas. Haut ist nie ein einziger Ton, und ein Brustwarzenhof schon gar nicht. Ich mische jedes Mal neu, streiche die Mischung aus, halte sie neben die Haut und schaue. Unter der Lampe und dann nochmal am Fenster, im echten Tageslicht. Was nur unter der Lampe stimmt, taugt nichts.
Manche machen vorher eine Testpigmentierung an einer versteckten Stelle. Ich nicht. Das ist der Teil, für den ich dreiunddreissig Jahre gebraucht habe, und darauf verlasse ich mich.
Und dann arbeitet die Farbe noch. In den ersten vier Monaten legt sich rund 80 Prozent des Pigments, der ganze Prozess dauert etwa vier bis achtzehn Monate.
Nach vier Monaten schauen wir darum nochmal zusammen drauf, und gut möglich, dass wir dann nachpigmentieren. Beim ersten Mal gehe ich bewusst nicht zu dunkel, und manchmal nimmt die Haut mehr Pigment weg als erwartet. Das ist kein Pfusch und kein schlechtes Zeichen, sondern der normale Ablauf. Haut, Immunsystem und Pigment arbeiten da zusammen, und wie stark, weiss vorher niemand ganz genau.
Wann es zu früh ist
Das ist die Frage, bei der ich am häufigsten bremse. Mindestens sechs Monate nach der letzten Behandlung, lieber ein Jahr, und es dürfen keine Komplikationen mehr da sein.
Und mit «letzte Behandlung» meine ich nicht nur die Operation. Bestrahlung zählt dazu, Laser zählt dazu, Unterspritzungen zählen dazu. Alles, was an dieser Haut noch gearbeitet hat. Die Haut muss zur Ruhe gekommen sein, sonst pigmentiere ich in etwas hinein, das sich noch verändert, und dann sieht es in einem Jahr anders aus als heute.
Ohne ärztliche Freigabe fange ich ohnehin nicht an. Das ist keine Formsache. Wie weit deine Haut ist, kann dir ein Arzt besser sagen als ein Tätowierer, und eine medizinische Einschätzung gehört zum Arzt, nicht zum Pigmentierer.
Zum Schmerz, weil danach oft gefragt wird: Die rekonstruierte Brust ist meistens taub oder deutlich weniger empfindlich als vorher. Für die meisten ist es darum erträglicher, als sie erwartet haben. Versprechen kann ich es nicht, jeder Körper ist anders.
Was ich dir nicht versprechen kann
Ich halte nichts von Hochglanzbildern, die etwas behaupten, was im Alltag nicht stimmt. Deshalb drei Dinge offen:
Die Pigmentierung heilt nichts. Sie ist kein medizinischer Eingriff und keine Therapie. Was sie kann, ist, dir einen Anblick zurückgeben, mit dem du dich wohler fühlst. Das ist viel, aber es ist etwas anderes.
Der plastische Effekt ist eine Täuschung. Er hängt von Licht und Blickwinkel ab. Im Spiegel morgens im Bad sieht er anders aus als auf einem Foto mit Blitz. Volumen ersetzt er nicht.
Es hält nicht ewig. Nach einigen Jahren lässt die Farbe nach, und wer die Intensität behalten will, kommt nochmal. Das gehört dazu und ist kein Zeichen, dass etwas schiefgegangen ist.
Was es kostet
Dazu kann ich dir am Telefon oder im Gespräch mehr sagen als hier, weil es davon abhängt, wie viel zu machen ist und ob eine oder beide Seiten.
Ob deine Krankenkasse mitzahlt, entscheidet sie einzeln, da kann ich dir nichts zusichern. Ich sehe aber immer öfter, dass sie sich beteiligen. Was am besten funktioniert: eine Empfehlung von deinem Arzt, dazu eine Offerte von mir. Damit lässt sich ein Gesuch stellen, und der Versuch lohnt sich.
Diskretion
Dazu muss ich nicht viel sagen. Ich arbeite allein in meinem Studio, es sitzt niemand im Wartezimmer und niemand kommt zur Tür herein.
Bilder mache ich, um den medizinischen Verlauf festzuhalten. Das gehört zur Dokumentation, und dafür brauche ich deine Einwilligung. Ob ich sie darüber hinaus zeigen darf, anonymisiert, ist eine zweite Frage und eine zweite Einwilligung. Wenn du sie gibst, freut mich das, denn dann sehen andere, wie so etwas aussieht. Wenn nicht, bleibt es zwischen uns.
Ob es bei dir geht
Am einfachsten ist es, wenn du mir schreibst, wo du gerade stehst. Wann die letzte Behandlung war, was schon gemacht wurde, was du dir überlegst. Ich sage dir dann ehrlich, ob es Sinn ergibt und ob der Zeitpunkt stimmt.
Manchmal lautet die Antwort: noch nicht. Das ist auch eine Antwort.
